Kurze Abhandlung über kritische Paläontologie oder über die Erforschung der Nachträglichkeit

Die Gesellschaft zur Erforschung der Nachträglichkeit weiß darum, dass die Praxis der Theorie immer zu spät kommt. Sie wählt als Wappentier nicht die „Eule der Minerva" (Hegel) oder den Maulwurf/Hahn (Marx), sondern den Deinonychus antirrophus – einen Dinosaurier, der 110,2 Millionen Jahre vor unserer Zeitrechnung lebte.

Das Wappentier: Deinonychus antirrophus

John Ostrom beschrieb 1969 den Deinonychus und kam auf die Idee, dass Dinosaurier nicht ausgestorben seien, sondern in den Vögeln fortlebten – eine damals umstrittene Idee. Mittlerweile ist bekannt: Vögel sind Dinosaurier. Viele Dinosaurierfamilien trugen Federn, waren warmblütig, zeigten ausgeprägtes Sozialverhalten.

Das Vorurteil, Dinosaurier seien ausgestorben, gilt analog für die Gesellschaftskritik, der vorgeworfen wird, sie sei spätestens mit dem Untergang des real existierenden Sozialismus erledigt. Die Gesellschaftskritik ist aber keineswegs ausgestorben – sie lebt als Untotes, Unabgegoltenes.

Auftrag der Gesellschaft

Die Gesellschaft zur Erforschung der Nachträglichkeit tritt dafür ein, dass sich mit der Vergangenheit, der Gewordenheit unserer Gegenwart auseinandergesetzt wird. Sie will „weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht dumm machen lassen" (Adorno), sondern eine „Kritik im Handgemenge" entfalten.

Sie versteht sich nicht als politische Partei, sondern als Salon der Kritiken. „Niemals konsequent, je und je wieder radikal."

(Hinweis: Die Abbildung zeigt einen Archaeopteryx lithographica, nicht den Deinonychus antirrophus.)